Zum Inhalt springen

Neu beziehen statt ersetzen: vier String Chairs für 554 Franken

Vier Stühle aus einer Wohnung in der Stadt Zürich, 2026 bei uns im Atelier in Schleitheim. Gekauft hatte die Kundschaft sie damals neu, als Esszimmerstühle für ein ganzes Leben und noch nicht als Designklassiker.
22. September 2026 durch
3inDesign, Irina Corrodi

Schwarzer Sitz, an den Rändern hell gebleicht durch die UV-Strahlen und durchgewetzt vom Sitzen. 
Darüber die Lehne aus gespannten Schnüren, perfekt und unversehrt. Vier Stühle aus einer Wohnung in der Stadt Zürich, 2026 bei uns im Atelier in Schleitheim. Gekauft hatte die Kundschaft sie damals neu, als Esszimmerstühle für ein ganzes Leben und noch nicht als Designklassiker.

Die Ausgangslage

Die Kundschaft wollte keine Veränderung, sondern den Zustand von damals. Die Stühle sollten wieder aussehen wie beim Kauf. Schwarz und Mikrofaserstoff. Am Gestell, an der Schnurbespannung und an der Sitzhöhe war nichts gewünscht, denn das war in gutem Schuss.

Es sind String Chairs von Niels Jørgen Haugesen, gebaut von Tranekær Furniture in Dänemark und entworfen in den 1980er Jahren. Wer so einen Stuhl dreissig Jahre im Esszimmer stehen hat, hat ihn selten als Designklassiker gekauft, sondern weil er passte.

Dass dasselbe Modell heute als Sechserset für über CHF 2'000 gehandelt wird, war beim Kauf vor dreissig Jahren nicht absehbar und für den Auftrag auch nicht entscheidend. Denn ein solcher Stuhl kostete früher im Fachhandel 
um die CHF 800.

Was dagegen sprach

Der alte Bezug war echtes Alcantara® mit über 150'000 Scheuertouren nach Martindale. Echtes Alcantara® kostet bei unserem Lieferanten Saum & Viebahn 230 Franken pro Meter. Für die benötigten 1,20 Meter wären das 276 Franken gewesen statt 114 Franken von Carlucci. Die Variante von Carlucci ist ebenfalls ein Mikrofaserstoff, aber halt eben kein Alcantara®. 
Der ganze Auftrag hätte damit 716 statt 554 Franken gekostet, knapp dreissig Prozent mehr, für eine Haltbarkeit, die die Kundschaft nicht mehr bezahlen wollte.

Was ist überhaupt Martindale?

Scheuertouren nach Martindale sind ein Labormass. 
Ein genormtes Wollgewebe reibt in Achterschlaufen über den Stoff, bis Fäden brechen. Für Möbel im Wohnbereich gelten 15'000 bis 25'000 Touren als üblich, ich persönlich verkaufe nicht unter 20'000 Martindale. 
Objektstoffe für Restaurants und Büros beginnen etwa bei +40'000. 
Das Alcantara® lag mit über 150'000 Touren sechs- bis zehnfach über diesem Bedarf und knapp viermal über dem Stoff, der heute darauf liegt. Darum hat es dreissig Jahre gehalten.

Die Kundschaft hat sich das angehört und dann wortwörtlich gesagt, sie seien inzwischen selber älter und die Stühle müssten nicht mehr vierzig Jahre durchhalten. Fünfzehn bis zwanzig reichten. Das ist ein Argument, dem wir nichts entgegenzusetzen hatten.

Der Weg

Drei Entscheidungen bestimmten diesen Auftrag. 
Ein Mikrofaserstoff von Carlucci aus dem Hause JAB statt echtem Alcantara®, der Zuschnitt aller vier Sitze in derselben Strichrichtung und der Verzicht auf eine neue Polsterung.

Mikrofaserstoff statt Alcantara®

Der gewählte Velours hat 40'000 Scheuertouren und kostet 95 Franken pro Meter. Mit diesem Wert liegt er im Bereich der Objektstoffe, also über dem, was ein Esszimmer zu Hause je abverlangt, und bei weniger als der Hälfte des Alcantara-Preises. Weniger Reserve als vorher, ja, aber Immer noch mehr als genug.

Vier Sitze, eine Strichrichtung

Der Mikrofaserstoff hat einen Strich, also eine Richtung, in der die Fasern liegen. Streichen Sie mit der Hand einmal hin und einmal her, dann wirkt dieselbe Stelle im selben Licht einmal heller und einmal dunkler. 
Derselbe Stoff, dieselbe Rolle, zwei Helligkeiten. Auf den Stoffverbrauch hat das hier keinen Einfluss, ein Kreis lässt sich nicht günstiger drehen und ein Rapport gibt's auch nicht. 

Der Strich entscheidet dafür, wie die Sitzfläche zurück ins Stuhlgestell kommt.

Darum bekommt jede Sitzfläche auf der Rückseite einen Pfeil, der zeigt, wo vorne ist. Beim Beziehen wird der Strich nach diesem Pfeil ausgerichtet. Wer das nicht markiert, montiert irgendwann einen Sitz um 90 Grad verdreht, und dann steht ein Stuhl am Tisch, der heller wirkt als die anderen drei.

Die alte Polsterung bleibt

Der Schaum unter dem Bezug war intakt, das Sitzgefühl stimmte, und die Sitzflächen sind geschraubt und nicht verleimt und der Bezug um das Gestell bezogen. Lassen sich also ohne Eingriff ins Gestell abnehmen. Deshalb gab es keinen Grund dazu, die Polsterung zu ersetzen.

Das Ergebnis

Vier Sitzflächen in schwarzem Mikrofaserstoff, alle in derselben Strichrichtung, ohne helle Ränder. Wer die Stühle nebeneinander ans Fenster stellt, sieht vier gleich dunkle Sitze und nicht zwei hellere und zwei dunklere. Nachrechnen lässt sich das Ganze auch. 
Viermal 110 Franken Arbeit plus 1,20 Meter Stoff à 95 Fr./lfm ergibt 554 Franken für das ganze Set.

Was ein Neubezug kostet

Einen String Chair neu beziehen kostet bei uns CHF 110 pro Stück, inklusive Mehrwertsteuer und Kleinmaterial. Mit neuer Polsterung sind es CHF 130 pro Stuhl, ebenfalls inklusive Mehrwertsteuer, aber ohne Polstermaterialien. Der Stoff wird nach Verbrauch verrechnet, hier 1,20 Meter zu 95 Fr./lfm für vier Sitzflächen.

Enthalten sind das Abnehmen und Zerlegen der Sitzfläche, das Entfernen des alten Bezugs, der Zuschnitt, das Beziehen und das Wiedereinsetzen samt Kleinmaterial wie Klammern und Watte. Nicht enthalten sind Stoff, Polstermaterialien, Holz- und Lackarbeiten am Gestell sowie Abholung und Lieferung.

Drei Dinge verschieben den Preis nach oben: 

  • ein Gestell mit lockeren Zapfen
  • ein Stoff mit Rapport, der mehr Meter braucht als die reine Sitzfläche, nachzulesen in unserem Beitrag über den Rapport
  • der Wechsel von Bezug auf Neupolsterung, wo zu den 130 Franken das Polstermaterial noch dazukommt

Wer dieselben Stühle zu Hause hat, kann den String Chair neu beziehen lassen, mit oder ohne Polsterung.

String Chair mit durchgewetztem schwarzem Alcantara-Sitz und Schnurlehne vor dem Neubezug

Saubere Kante der neu bezogenen Sitzfläche aus schwarzem Mikrofaserstoff in der Polsterei

Innendekorateurin prüft die Sitzfläche eines neu bezogenen String Chair im Atelier

Häufige Fragen zum String Chair von Niels Jørgen Haugesen

In der Regel ja. Ein gebrauchtes Achterset String Chairs wird bei Pamono derzeit für über CHF 5'000 gehandelt, das sind rund 625 Franken pro Stuhl im guten Zustand. Ein eigener Stuhl neu bezogen kostete in diesem Auftrag 138.50 Franken inklusive Stoffanteil bei vier Stühlen. Der Neubezug ist fast immer die günstigere Seite.

Für ein privates Esszimmer gelten 15'000 bis 25'000 Scheuertouren nach Martindale als üblich und Objektstoffe beginnen etwa bei 30'000. 
Ein Stoff mit 40'000 Touren ist für zu Hause bereits reichlich bemessen. Höhere Werte verlängern die Lebensdauer.

Nein. Wenn der Schaum noch trägt und das Sitzgefühl stimmt, bleibt die Polsterung, wie sie ist, und es wird nur der Bezug gewechselt. Erneuert wird sie dann, wenn der Schaum bröselt, durchgesessen ist oder die Sitzhärte verändert werden soll.

Eckdaten zum Projekt

  • Ort: Stadt Zürich
  • Jahr: 2026
  • Objekt: vier String Chairs, Niels Jørgen Haugesen für Tranekær Furniture, Dänemark, Entwurf 1980er Jahre
  • Ausgeführte Arbeiten: Sitzflächen abnehmen, alten Bezug entfernen, Zuschnitt, neu beziehen, einsetzen
  • Alter Bezug: echtes Alcantara, über 150'000 Scheuertouren nach Martindale
  • Neuer Stoff: Velours von JAB (Carlucci), schwarz, 40'000 Scheuertouren nach Martindale, CHF 95 pro Meter
  • Stoffverbrauch: 1,20 Meter für vier Sitzflächen
  • Polsterung: unverändert belassen
  • Kosten: CHF 110.– pro Stuhl inkl. MwSt, total CHF 554.– inklusive Stoff

Wie wir in der eigenen Polsterei arbeiten, steht auf der Seite Polsterei und Neubezug.


3inDesign - Innendekoration/Inneneinrichtung/Innenarchitektur 
Polsterei & Neubezug in Schaffhausen und Zürich

Gartenstuhl Polster neu beziehen mit Outdoor Stoff von JAB Anstoetz